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Die großen Steine
von Kleinenkneten

Die Großen Steine von Kleinenkneten sollte jeder, der sich für Großsteingräber interessiert, einmal besucht haben!
Um zu den Großen Steinen zu gelangen, fährt man von Wildeshausen auf der L 882 nach Süden in Richtung Goldenstedt. Zuerst kommt links eine Abzweigung zum Pestruper Gräberfeld (s.u.) und nach weiteren anderthalb Kilometern geht es zweimal links ab zu den Kleinenkneter Steinen. Die sind in einem kleinen Wäldchen versteckt und über einen Weg von der Straße aus zu erreichen. Einen großen Parkplatz gibt es leider nicht, was bei den überaus lohnenden Gräbern schade ist. Das gesamte Wäldchen mit den Grabanlagen wurde 1951 zum Naturschutzgebiet erklärt.

Große Steine von Kleinenkneten, Hünenbett 2
Man erreicht zuerst das Hünenbett Nr. 2, ein absolutes Juwel.
Als einziges bekanntes Megalithgrab in Niedersachsen weist diese Steinsetzung drei Grabkammern auf. Da die mittlere etwas kleiner als die beiden äußeren ist, vermutet man, dass zuerst die beiden äußeren Grabkammern als separate Gräber errichtet wurden, und erst später durch das mittlere Grab eine Verbindung geschaffen wurde. Die Umfassung des Ganzen ist 34 x 8 m groß, und die verwendeten Decksteine sind wirklich mächtig. Es sind noch erstaunlich viele Steine, u.a. fast alle Umfassungssteine, erhalten.

Die südwestliche Kammer 3 ist eine einfache, 8 x 1,8 m große Grabkammer mit 10 Tragsteinen, 4 Decksteinen, von denen einer in zwei Teile zerbrochen ist und nur schwach angedeutetem Eingang, der anders als bei den anderen beiden Kammern nach Norden gezeigt hat.
Als besonderer Fund wurde in der westlichen Kammer ein außergewöhnliches Gefäß der Trichterbecherkultur mit sechs tüllenförmigen Öffnungen gefunden, das zuerst als sog. "Lampe" (Öffnungen für Dochte), und später u.a. von Beissert als "Zwirngefäß", d.h. als Spinnhilfe mit Öffnungen für Fäden definiert wurde.

Die nördlichste Kammer 1 ist ein Ganggrab mit 12 Trag- und 2 Decksteinen und schönem Eingang nach Südosten.
Die in der Mitte befindliche Kammer 2 ist ebenfalls ein Ganggrab mit 12 Trag- und 6 Decksteinen. Diese Kammer ist leicht trapezförmig und 5 x 1,5 m groß. Der Eingang zeigt ebenfalls nach Süden.

In den 1934 bis 1939 fanden an dieser Anlage systematische Ausgrabungen statt, bei denen viele Grabbeilagen gefunden wurden, die jetzt im Museum "Natur und Mensch" in Oldenburg ausgestellt sind. Dort steht auch ein Teil des Hünenbettes 2 als lebensgroßes Modell. Bei der Restaurierung wurden alle Umfassungssteine neu ausgerichtet.

--> zum Originalbeitrag auf www.steinzeugen.de, der u.a. auch mit einer Kurzfassung des Grabungsberichtes von 1934-39 verlinkt ist

Foto links: oben: das Hünenbett 2 von Westen, Foto links unten: das Ostende von Hünenbett 2 mit Kammer 1, wobei die hervorragend erhaltenen Einfasssteine gut zu sehen sind.


Ansicht des Hünenbettes 2

Obwohl das Großsteingrab heute gut erhalten zu sein scheint, fanden leider auch in diesem Grab Sprengungen statt, bzw. sie wurden vorbereitet. Zahlreiche Decksteine der Kammern weisen Bohrlöcher auf. Am markantesten sind die Schäden im zweiten Deckstein von Westen. Dieser ist offensichtlich noch vor 1929 in vier Teile zersprengt worden, die beiden kleineren wurden Bruchstücke wurden fortgeschafft.
Auch an dem am Ostende der westlichen Kammer befindlichen Deckstein wurden drei Sprengungen vorgenommen. Der Stein hat das aber überlebt; es sind lediglich einige Ecken herausgebrochen.

Fotos unten:
1: die gut erhaltenen Einfassungssteine am Westende des Grabes.
2: Blick von Osten über die Gesamte Grabanlage
3: Eingang in die östliche Kammer
4: Eingang in die mittlere Kammer
5: die westlichsten Einfassungssteine erinnern mich an die Wirbelfortsätze von Dinosauriern.
6: das Großsteingrab von Westen aus gesehen

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Große Steine von Kleinenkneten, Hünenbett 1

Am oben beschriebenen Grab vorbei geht es zum Hünenbett 1, das jeder Steinzeitfreund gesehen haben muss.
Denn hier hat man 1936/37 nach den Ausgrabungsarbeiten ein riesiges Hünenbett so wieder hergerichtet, wie es vor ca. 5000 Jahren einmal ausgesehen haben mag. Wobei es in Wirklichkeit auch vollständig in einem Erdhügel verborgen war. Mehr als 90 Findlinge mit einem Gesamtgewicht von ca. 300 Tonnen und 700 m³ Erde (insgesamt über 100 Eisenbahnwaggons) wurden verbaut. Moderne Computersimulationen haben ergeben, dass diese Aufgabe mit 100 Mann bei zehn Arbeitsstunden pro Tag in 3,5 Monaten erledigt werden konnte. Dabei müssen ca. 2/3 der Zeit für den Transport, und 1/3 für den Aufbau veranschlagt werden.

Das Hünenbett 1 ist mit 49 x 7 m das drittgrößte in der Wildeshauser Geest. Auch hier waren fast alle Steine noch erhalten und man hat bei der Restaurierung alle Tragsteine wieder in Reih und Glied aufgestellt und die Zwischenräume mit kleinen Bruchsteinen und Erde aufgefüllt (siehe Foto links). Die 6 x 2 m große, eigentliche Grabkammer ist fast genau mittig in der Steinsetzung angebracht und bestand vor der Rekonstruktion aus 8 Trag- und nur noch einem Deckstein.
Die anderen Decksteine waren schon früh fortgeschafft worden. Beim Zugang stehen rechts und links zwei Tragsteine. Der Kammerboden war mit handlichen Findlingen gepflastert. Bei der Rekonstruktion 1937 hat man die fehlenden Decksteine der Kammer und des Eingangs durch Kunststeine ersetzt.

--> zum Originalbeitrag auf www.steinzeugen.de, der u.a. auch mit einer Kurzfassung des Grabungsberichtes von 1934-39 verlinkt ist

Fotos unten:
1: Das sog. Zwickelmauerwerk zwischen den Umfassungsteinen
2: Der Eingang zur Grabkammer (nichts für dicke Leute!) mit dem vorstehenden Verschlussstein, der früher nach jeder Bestattung vor den Eingang gedreht wurde.
3: In der Krabkammer, Blick zum "Fenster". Dieser gewaltige Stein der Kammerdecke ist echt!
4: Damit von hinten Licht und Luft in die Grabkammer gelangen können, ließ man bei der Rekonstruktion des Grabes an dessen Rückseite eine Aussparung in den Einfasssteinen und der Erdaufschüttung frei.
5: Oben auf dem zerbrochenen Deckstein sind über dem "Fenster" noch mehrere Bohrlöcher von einer Sprengung zu sehen. Der Stein war ursprünglich also größer, wie man an der Bruchkante auf Bild 3 sehen kann.

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Auf dem Gelände liegen noch die Reste eines dritten, kleinen Großsteingrabes, das in den dreißiger Jahres des vorigen Jahrhunderts vom Dötlinger Wellohsberg an die heutige Position umgelagert worden ist. Es soll an dieser Stelle nicht behandelt werden.


Größere Kartenansicht

Übrigens: Wenn man von den Großen Steinen auf der Landstraße nach Osten bis zur Kreisstraße weiterfährt und dort in Richtung Wildeshausen abbiegt, erreicht man nach ca. 2 km das Pestruper Gräberfeld, das links von der Straße liegt. Rechts liegt ein schöner Parkplatz. Es gibt auch einen halbstündigen Wanderweg, der die Kleinenkneter Steine mit der Südwestecke des Gräberfeldes verbindet.

In der Umgebung von Wildeshausen gibt es weitere Großsteingräber, die z.T. weltberühmt sind. Wer mehr darüber lesen und sehen will, muss die entsprechende Seiten auf der Homepage "Steinzeugen" aufsuchen.

Förderverein Urgeschichtliches Zentrum Wildeshausen  •  Holzhausen 9  •  27793 Wildeshausen
www.uzw-wildeshausen.de - 03.03.2013