Artikel über urgeschichtliche Denkmäler und den Förderverein, die in der Nordwest-Zeitung erschienen sind
Artikel vom 12.9.2011 - Lesen Sie den Originalartikel nach unter: NWZonline
(Quelle: Nordwest-Zeitung, Oldenburg)

Aus Berne zur Brennerei und in Basilika
Offenes Denkmal    Zahlreiche Gäste aus der Region erkunden historische Gebäude in Wildeshausen
Fremdenführer Peter Hahn stellte anschaulich die Zeit der Industrialisierung dar. Svea Mahlstedt führte übers Pestruper Gräberfeld.
von Stefan Idel


Foto: Hoch hinaus: Archäologin Svea Mahlstedt erläutert Besuchern das Pestruper Gräberfeld     BILD: Stefan Idel

Wildeshausen - Rolf Schmidt war mit dem Fahrrad eigens aus Berne (Landkreis Wesermarsch) angereist. „Gut vier Stunden war ich unterwegs“, erzählt der 63-Jährige bei der Führung mit Joachim Kinast im Museum für die Dampfkornbranntweinbrennerei. Es hat sich gelohnt: „Das war sehr interessant“, bedankt sich Schmidt. „Beim nächsten Mal mache ich eine Stadtführung in Wildeshausen.“
Hunderte nutzten am Sonntag den „Tag des offenen Denkmals“, um einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Gemäß der Devise des Denkmaltages – „Romantik, Realismus, Revolution“ – erinnert Peter Hahn mit einer eigens ausgearbeiteten Führung an die Zeit der Industrialisierung in Wildeshausen, die eng mit dem Eisenbahnanschluss im Jahr 1898 verknüpft ist- „Zuvor war Wildeshausen eine Ackerbürgerstadt mit gut 2000 Einwohnern. Wir hatten allein 54 Schuhmacher und Flickschuster“, erzählt er den Gästen auf dem Weg vom Bahnhof bis zum Wasserkraftwerk an der Hunte. „Das Kraftwerk interessiert uns besonders“, sagen Bernd Franck und sein Sohn Hauke (20), die eigens aus Hude angereist sind.

Erstmals im Rahmen des Denkmaltages führt Archäologin Svea Mahlstedt am Vormittag interessierte Besucher über das Pestruper Gräberfeld. „Hier handelt es sich um das größte Grabungsschutzgebiet in Norddeutschland“, schlägt Mahlstedt den Bogen von der Bronzezeit bis zur Heidelandschaft der Gegenwart. Noch muss sie Abbildungen der kleinteiligen Funde in Pestrup auf Schautafeln zeigen. Doch schon bald sei der „Museumskoffer“ des Vereins Urgeschichtliches Zentrum Wildeshausen (UZW) fertig. „Damit können wir vor allem Schülern die Ur- und Frühgeschichte näher bringen.“ Ein Armreif und eine Gewandnadel („Fibel“) sollen originalgetreu nachgebildet werden. Am Nachmittag zeigt Dr. Bernd Rothmann die Großen Steinen in Kleinenkneten.

Kinder klettern in Orgel
Beliebter Anlaufpunkt beim Denkmalstag ist auch in diesem Jahr die Alexanderkirche. Sechs Fremdenführer des Verkehrsvereins erläutern den Besuchern die alte Basilika. „Das ist unsere Schatzkammer“, zeigt Karola Müller auf die wertvollen Fresken in der Sakristei. Sie verschweigt nicht, dass unter den Wandmalereien eines der ältesten Zeugnisse der Judenverfolgung zu finden ist.
Von Registern und Obertönen berichtet Kantor Ralf Grössler auf der Orgelempore. Bildhaft stellt er die „Königin der Instrumente“ vor, die in Wildeshausen schon 40 Jahre auf den Buckel hat. St. Justinus (103-160) habe seinerzeit alle Instrumente aus der Kirche verbannt. Doch als ein Kaiser im 13. Jahrhundert dem Papst eine Orgel geschenkt hatte, setzte sich das Instrument durch. Die Besucher dürfen auf der Kleuker-Orgel spielen; Svenja und Malte klettern in den Orgelkasten. Begeistert zeigen sich auch Christa und Ralph-Peter Bachstein, die eigens aus Hildesheim gekommen sind.

Gäste aus dem Ruhrgebiet
„Wir können uns nicht beklagen“, lobt Karin Holtmann-Kolloge, Vorsitzende des Museumsvereins für die Dampfkornbranntweinbrennerei, den Besucherzuspruch in der alten Destille. „Bis zum Nachmittag hatten wir 99 Besucher“, sagt sie. Das Publikum sei sehr interessiert. Auf dem Rückweg vom Ostsee-Urlaub macht sogar eine Familie aus Witten (Ruhr) zum Denkmalstag in der Kreisstadt Station. „Wir können doch an Wildeshausen nicht immer vorbeifahren“, sagen sie.


Artikel vom 31.8.2011 - Lesen Sie den Originalartikel nach unter: NWZonline
(Quelle: Nordwest-Zeitung, Oldenburg)

Von Romantik und Revolution
Offenes Denkmal     Großes Programm in Kirche – Spezielle Führung mit Hahn
Wildeshausen beteiligt sich zum 15. Mal. Alle Führungen und Eintritte sind kostenfrei.
von Karsten Bandlow

Wildeshausen - Den Tag des offenen Denkmals gibt es in Deutschland seit 1993. Am Sonntag, 11. September, steht er unter dem Motto „Romantik, Realismus, Revolution – Das 19. Jahrhundert“. Zum 15. Mal dabei ist auch Wildeshausen. Der Verkehrsverein mit seinem Gästeführerinnen und -führern, die evangelische Kirchengemeinde und der Verein Urgeschichtliches Zentrum Wildeshausen laden zu diesem Tag ein mit einem großen Programm, das am Dienstag im Alten Rathaus vorgestellt wurde.
Geöffnet sind die Denkmale Alexanderkirche von 11.30 bis 18 Uhr, die Sakristei des Gotteshauses von 13 bis 17 Uhr und das Druckereimuseum von 11 bis 17 Uhr. Ob das Brennereimuseum, das in den vergangenen Jahren immer dabei war, auch in diesem Jahr seine Pforten öffnet und wie dann dort das Programm aussehen wird, steht noch nicht fest.
Führungen werden an diesem Tag laufend durch die Gästeführerinnen und -führer angeboten von 11 bis 17 Uhr im Druckereimuseum und von 11.30 bis 17 Uhr in der Alexanderkirche. Zwei Führungen durch die Sakristei, die „Schatzkammer“ der Alexanderkirche, starten um 13 Uhr und um 16 Uhr jeweils mit Gästeführerin Karola Müller.
Um 11 Uhr lädt Svea Mahlstedt zur Führung über das Pestruper Gräberfeld und um 16.30 Uhr Dr. Bernd Rothmann zum Rundgang bei den Großen Steinen von Kleinenkneten ein. Beide sind Experten vom Urgeschichtlichen Zentrum.
Ebenfalls ein ausgewiesener Fachmann ist Peter Hahn, der von 14.30 bis 16 Uhr die spezielle Führung zum Motto des Denkmaltages leitet. Sie startet am Bahnhof und dreht sich um „Eisenbahn und Elektrizität“. Unter anderem wird auch das Wasserkraftwerk in Zwischenbrücken besucht.
Das Sonderprogramm in der Alexanderkirche beginnt um 10 Uhr mit einem Gottesdienst unter dem Motto „Was bleibt?“ und endet um 18.15 Uhr mit einer Abschlussmeditation und Kerzengebet im Südquerhaus, jeweils mit Wiltrud Stanszus. Um 15 Uhr lädt Kantor Ralf Grössler auf die offene Orgelempore ein. Das Café im Remter ist von 11 bis 17 Uhr geöffnet.
Alle Führungen und Eintritte sind am Tag des offenen Denkmals in Wildeshausen kostenfrei. Der Verkehrsverein rechnet wieder mit großem Zuspruch. Im vergangenen Jahr nahmen mehr als 300 Besucher die Angebote wahr.


zuletzt geändert am  12.9.11